Ein bisschen Systemthorie gefällig?

Bei der Entwicklung von Animationen kann man schnell den Überblick verlieren. Dies hängt mit der Vielzahl der Tools aber auch mit den Inhalten zusammen. Die Inhalte können thematisch verschieden und unendlich komplex sein. Wie kann man Inhalte, die man vielleicht nur oberflächlich kennt, in eine anspruchsvolle und verlässliche Form bringen? Die Systemtheorie liefert einen Lösungsansatz. Die Systemtheorie ist ein Versuch, indisziplinäre Themen mit einer gemeinsamen Methode und Fachsprache zu beschreiben.

Der Technikphilosoph Ropohl hat die Systemtheorie auf drei Aspekte heruntergebrochen unter denen man Systeme betrachten kann. Dieses Muster besticht durch seine Einfachheit und Praktikabilität. Systeme sind gekennzeichnet durch:

  • Struktur
  • Funktion
  • Hierarchie

Bei der Struktur betrachtet man das Innere, bei der Funktion das Äußere eines Systems. Bei der Hierachie geht es darum, wie ein System in andere Systeme integriert wird. Im technischen Alltag ist vor allem der funktionale Aspekt wichtig. Fürs Autofahren muss man wenig über die Mechanik eines Getriebes wissen. Ganz anders verhält es sich für Personen, die Getriebe austauschen oder reparieren. Kenntnisse über Strukturen sind dann unerlässlich. Die Hierarchie als dritten Aspekt erlaubt es uns, Technik in Ihrer Gesamtheit zu sehen, wozu auch soziale, wirtschaftliche oder kulturelle Bedingungen gehören. Stellen Sie sich einmal die makabre Erfindung der Gillotine vor. Ohne den gesellschaftlichen und historischen Zusammenhang wäre ein solches Objekt nicht denkbar und es zeigt auch, dass Technik natürlich nicht nur “angewandte Physik” ist.

Betrachtet man Technik als System, fällt auf, dass sehr unterschiedliche Dinge ein- und dieselben Systeme sind. Z.B. kommt das FIFO-Prinzip (First in First out) bei Futtersilos, in der Flughafen-Logistik aber auch bei der Informationstechnik vor. Eine Schiffschraube hat eine durchaus ähnliche Struktur wie ein Windrad, konzentriert man sich auf die wesentlichen Charakteristiken. Sogar zwischen der Welt der Technik und der Welt der Biologie bestehen Parallelen. Experten aus der Bionik können viele Beispiele nennen, wie z.B. den Klettverschluss, Baumkonstruktionen, der Lotus-Effekt, das Fliegen u.v.m.

Wissenschaftlichkeit

Die Systemtheorie macht den Standpunkt klar, den man gegenüber einem Phänomen einnimmt. Die Reduktion der Wirklichkeit erfolgt bewusst und nicht unbewusst.

Durch die Abstraktion werden Zusammhänge und Analogien zu anderen Themen deutlich. Die Systemtheorie ist somit ein Schlüssel, um Angesichts der Vielfalt und Komplexität der Inhalte eine wissenschaftliche Distanz zu waren, z.B. durch Einnehmen einer bewusst funktionalen oder bewusst strukturalen Sicht. Zahlreiche wissenschaftliche Diszplinen profitieren von dieser Sichtweise bis hin zu den Sprachwissenschaften (Strukturalismus) oder Design (Gestaltgesetze).

Die Systemtheorie hilft bei der inhaltlichen Erarbeitung der komplexer unter heterogener Themengebiete. Durch die methodische Abstraktion kommt man schneller an einen Punkt, an dem die mathematische Beschreibungen möglich sind. Die mathematische Beschreibung ist vor allem wichtig, wenn Animationen den Charakter einer Simulation tragen sollen.

Systemtheorie als Bildungsinhalt

Die Systemtheorie ist nicht nur eine Methode, die bei der inhaltlichen Erarbeitung hilft. Es handelt sich dabei auch um einen interessanten Bildungsinhalt. Es werden die Zusammenhänge zwischen den Diszplinen deutlich. In einer Welt, in der es immer mehr spzialisierte Fachleute gibt, wird es wichtig, sich auf der Basis einer gemeinsamen Sprache verständigen zu können. Neue Berufsfelder, wie den Mechatroniker liefern Beispiele. Aber auch in konventionellen Berufen muss heute über die Fachgrenzen hinaus gedacht werden.